Mittwoch, 5. Juni 2013

Jedem Wesen seine Chance oder Aus dem Nebel

 

Immergut zweitausenDREIzehn – die DREI ist Programm. Wie seit einigen Jahren waren auch in diesem Jahr die Künstler auf drei Bühnen verteilt. Und nach dem Motto "Jedem Ort sein Wesen" war jeder Bühne eine Kreatur zugeteilt worden. Die Waldbühne hatte ihren Waldemar, das Zelt Tanze Käthe und der noch relativ neue Birkenhain seinen Birkenhainrich. Daneben tummelten sich Strelizia, den Veranstaltungsort preisend, und Roadie, das Masskottchen der vorherigen Immergut-"Warm Up"-Tour Valery Gore's und Manors', sowie des Pendelzugs zum Festivalgelände.
Diese Gestalten (ver)folgten uns auf Schritt und Tritt über drei Tage. Drei Tage, aufgrund der zeitigen Anreise am Donnerstag. Nicht um Fraktus im Großen Haus zu sehen, nein, mehr um eine passable bis perfekte Niesche auf dem Zeltplatz zu finden. Nach dreimaligen Umziehen und diversen Konfrontationen symphatischer Art mit dem Veranstalter und den Securitys, sowie unangenehmer mit dem Ordnungsamt, bezogen wir am äußersten Zipfel des Geländes Stellung mit anfänglich vier Zelten und einem Pavillion. Letzterer spendete uns am ersten Abend in Neustrelitz den erhofften Schutz vor dem Regen, der uns in dreierlei Form während des Wochenendes unterhielt: starker Regen, leichter Regen und gar kein Regen.
Daneben schien die Sonne, war es dunkel oder das Wetter irrelevant, da sich unser Aufenthalt zur Zeltbühne verlagert hatte. Dieser blieb für mich jedoch einer einzigen Band vorbehalten: Dry the River. Ein Folk-Rock-Quintett, gegründet 2009 und noch in den Kinderschuhen ihrer Karriere, für mich das Highlight des Wochenendes. Ebenso frischgebacken wie die jungen Herren um Frontmann Peter Liddle ist Leslie Clio. Geborene Hamburgerin, Wahlberlinerin, 27 Jahre "alt" und vom Soul gepackt, lebte sie ihre Freude und ihr Wohlgefühl über die Präsenz auf dem Immergut vor dem Publikum hemmungslos aus – zum Glück. Keine Starallüren, kein wortkarges Songheruntergesinge um eiligst die Bühne zu verlassen. Sie wies sogar einen Mann der Security an, den Jungen, der versuchte zu ihr heraufzuklettern, eben dies zuzulassen. Ich für meinen Teil ließ zu, dass The Notwist, der Headliner des Samstagabends, eine letzte, aber richtige Chance von mir bekommen sollten. Durch den Song "One with the Freaks" an der Band interessiert, durch "Chemicals" jedoch wieder abgeschreckt und dem Gefallen an "Boneless" vollends verwirrt, nahm ich den Weg um kurz vor halb eins zum Waldemar auf und wurde überrascht. Auf der Bühne stand ein Mann, der das Abbild dessen war, was ich mir unter einem "hippen" Lateinlehrer vorstelle und sang mit der Stimme eines 25-Jährigen. Er spielte mit seinen Mannen von brachial bis bizzar und klangvoll bis kakophonisch alles runter, was The Notwist zu bieten haben mochte. So muss ich es mir vorstellen, denn meine Freunde sagten, das Konzert wäre vom Opener bis zur Zugabe eine runde Sache gewesen. Ich werde keine Fan, aber ich weiß, dass ich mich in ihnen geirrt habe.
Drei Tage Regen und Sonne, drei Tage Leben und Wonne, drei Tage Freude und Freunde, drei Tage Immergut, drei Tage wie immer (nein, diesem Wortspiel ist genügend Platz eingeräumt worden!) klasse.

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